An dieser Stelle wollen wir Sie in unregelmäßigen Abständen über urheberrechtliche Themen informieren. Die Reihe soll grundlegende Fragestellungen praxisnah behandeln und wird dabei auch einiges enthalten, was Ihnen persönlich vielleicht schon bekannt ist. Dennoch sind wir sicher, dass es vielen Lesern nicht so geht oder dass auch bei bekannten Themen immer wieder neue Teilaspekte aufkommen.

Dabei sind die einzelnen Beiträge bewusst kurz und prägnant gehalten, denn wir wollen hier kein urheberrechtliches Lehrbuch verfassen, sondern lediglich Basisinformationen vermitteln.

Wir freuen uns über einen regen Austausch, Kommentare und weiterführende Diskussionen über unsere Homepage www.parchent.de oder auf unserer Facebook-Fanpage ! Selbstverständlich können Sie uns aber gerne auch einfach anrufen oder eine Mail schreiben (Kontaktinformationen finden Sie hier)

 

Teil 1: Entstehung des Urheberrechts

Teil 2: Das Sprachwerk

 

Teil 3: Die weiteren Werkarten des § 2 UrhG

 

Werke der Musik, § 2 Abs. 1 Nr. 2 UrhG

Genießen auch Handy-Klingeltöne, elektronische Musik oder atonale Musik urheberrechtlichen Schutz?

Zu den Musikwerken zählen alle persönlichen geistigen Schöpfungen, die sich der Töne als Ausdrucksmittel bedienen.

Dabei ist es unerheblich, auf welche Weise der Ton erzeugt wird (neben Instrumenten oder der menschlichen Stimme z.B. auch elektronisch erzeugte Klänge, Naturgeräusche oder Schallquellen). Auch ist es nicht erforderlich, dass bestimmte Gesetze der Melodik, Harmonik und Rhythmik eingehalten werden. Wichtig ist nur, dass die Tonfolge auf einer menschlich-gestalterischen Tätigkeit beruht.

Beispiele: Oper, Operette, Kammermusik, Symphonien, Lieder, Unterhaltungsmusik, neue Musikformen, wie bspw. Sound-Sampling, elektronische Musik

Nicht geschützt ist musikalisches Allgemeingut (formale Gestaltungselemente, bloße Fingerübungen am Klavier, bloße Wiederholungen einer Tonfolge).


Pantomimische Werke, § 2 Abs. 1 Nr. 3 UrhG

Ist der „Moonwalk“ von Michael Jackson urheberrechtlich geschützt?

Der geistige Gehalt wird bei dieser Werkart durch das Ausdrucksmittel der Körpersprache, also durch Bewegung, Gebärden, Mimik und Gestik, wiedergegeben.

Als Pantomime im engeren Sinne herrscht das stumme Gebärden- und Mienenspiel vor, wohingegen bei dem choreographischen Werk als weiterem Unterbegriff die tänzerische Darstellung durch Mittel der Bewegung, Schritttechnik, Grazie und Gebärden im Vordergrund steht.

Nicht schutzfähig ist die Choreographie als solche, also bestimmte Schrittfolgen oder Figuren. Auch sportlichen und akrobatischen Leistungen dürfte im Allgemeinen eine persönliche geistige Schöpfung fehlen. Steht dagegen der künstlerisch-tänzerische Charakter der Darbietung im Vordergrund (wie zum Beispiel beim Moonwalk), ist zumindest die kleine Münze, also die unterste Form des urheberrechtlichen Schutzes, erreicht.

 

Werke der bildenden Künste, § 2 Abs. 1 Nr. 4 UrhG

Wie sieht es mit den Gehry-Bauten in Düsseldorf aus? Sind diese ein Werk im Sinne des Urheberrechts?

Neben der reinen Kunst (Bildhauerei, Malerei und Graphik als zweckfreie Kunst) zählen auch die Baukunst und die angewandte Kunst (Bedarfs- und Gebrauchsgegenstände mit künstlerischer Formgebung, zur Abgrenzung zum Geschmacksmuster wird größtenteils eine höhere Gestaltungshöhe verlangt) unter diesen Sammelbegriff.

Ebenfalls sind Entwürfe von Werken der bildenden Künste geschützt nach dem Grundsatz, dass Werke auch ihren Entwicklungsstadien nicht schutzlos sein dürfen. Ob die erforderliche Individualität erreicht ist, beurteilt sich nicht aus der objektiven Sicht eines Fachmanns, sondern nach dem Empfinden eines Durchschnittsbetrachters. Unerheblich ist hierbei, ob das Werk in Auftrag gegeben worden ist oder einem bestimmten Gebrauchszweck dient.

 

Lichtbildwerke, § 2 Abs. 1 Nr. 5 UrhG

Ist bspw. auch mein Foto bei ebay oder facebook urheberrechtlich geschützt?

Bei Lichtbildwerken steht die Wiedergabe von etwas in der Natur bereits Vorhandenem unter Zuhilfenahme technischer Mittel im Vordergrund. Ausschlaggebend ist, dass sie eine individuelle Betrachtungsweise oder künstlerische Aussage des Fotografen zum Ausdruck bringen und sich damit von reinen Abbildungen abheben (z.B. ungewöhnliche Perspektive, Kontraste, Anordnung von Licht und Schatten, Bildschärfe, zeitliches Moment bei Bewegungsabläufen, nachträgliche Maßnahmen). Rein handwerkliche Abbildungen (insb. die Gegenstandsfotografie) sowie wissenschaftliche Fotografien werden dabei als Lichtbilder nach § 72 UrhG zwar hinsichtlich der Rechtsfolgen den Lichtbildwerken prinzipiell gleichgestellt, die Schutzdauer beträgt allerdings nur 50 statt 70 Jahre.

Zu beachten sind bei Fotos von Personen aber deren Persönlichkeitsrechte, die eine Abbildung im Netz ohne Zustimmung des Abgebildeten grundsätzlich verbieten, soweit es sich nicht um Personen des öffentlichen Lebens handelt.

 

Filmwerke, § 2 Abs. 1 Nr. 6 UrhG

Film entsteht durch die Bilderkomposition aneinander gereihter bewegter Bild- oder Bild-Tonfolgen, die zu einer synchronistischen Werkeinheit verschmelzen. Schutzfähig sind u.a Live-Sendungen, Stummfilme aber auch Zeichentrickfilme oder Bildpräsentationen.

Die notwendige persönliche geistige Schöpfung kann z.B. in dem Handlungsablauf, der Regie oder Kameraführung, dem Schnitt, der Filmmusik oder der Kostüm- und Szenengestaltung, aber auch durch die Auswahl, Anordnung und Zusammenstellung (bspw. bei Kultur- oder Dokumentarfilmen) zum Ausdruck gebracht werden. Tages- oder Wochenschauen, die lediglich über politische oder wirtschaftliche Themen berichten, sind in der Regel nicht schutzfähig.

Filmurheber ist in erster Linie der Regisseur, aber auch der Kameramann, Cutter, Darsteller oder Kostümbildner kann bei eigener schöpferischer Leistung Miturheber sein.

 

Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art, § 2 Abs. 1 Nr. 7 UrhG

Erforderlich ist hier zum einen die Vermittlung von Informationen im Sinne einer Belehrung oder Unterrichtung, zum anderen eine graphische oder räumliche Darstellung zwei- oder dreidimensionaler Art. Schutzgegenstand ist jeweils nur die Darstellung selbst, nicht aber der dargestellte Gegenstand oder Inhalt. (Beispiele: Baupläne, Benutzeroberflächen bei Computerprogrammen, DIN-Normen, technische Anleitungen und Regelwerke, Formulare, Tabellen oder Vordrucke, Karten, Stadtpläne, Atlanten, soweit sie eine persönliche geistige Schöpfung darstellen).

 

Sonstige Werke

Weitere Werke sind Bearbeitungen nach § 3 UrhG, Sammel- und Datenbankwerke (§ 4 UrhG) und amtliche Werke gemäß § 5 UrhG.

Auf diese sonstigen Werke werden wir später an geeigneter Stelle noch einmal ausführlicher zu sprechen kommen.